„Je näher ein Windrad an einem Gebäude steht, desto weniger ist das Haus wert“

Das stellen Wissenschaftler des RWI-Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI) in einer veröffentlichen Analyse vom Januar 2019 fest.

Den Wertverlust der Immobilien führen die Forscher auf die negativen Auswirkungen von Windrädern auf ihre unmittelbare Umgebung zurück – etwa durch Lärm und die Störung des Landschaftsbildes.

Laut Studienergebnis verlieren ländliche Einfamilienhäuser im Umkreis von Windenergieanlagen zum Teil deutlich an Wert. Der negative „Windrad-Effekt“ schrumpfe erst bei einem Abstand der Anlagen von acht bis neun Kilometern zum Gebäude auf Null.

Am stärksten betroffen sind alte Häuser in ländlichen Gebieten. Hier beträgt der Wertverlust, innerhalb des Ein-Kilometer-Radius zum nächsten Windrad sogar 23 Prozent, also einen Vermögensverlust von mehreren zehntausend Euro.

Für die Studie hat das RWI knapp drei Millionen Verkaufsangebote in Deutschland in der Zeit zwischen 2007 und 2015 ausgewertet, die auf dem Online-Portal Immoscout24 erschienen sind. Diese wurden analysiert und mit den Geodaten von rund 27.000 Windenergieanlagen abgeglichen.

Das in der Immobilienbranche oft verwendete „Hedonistische Vergleichswertverfahren“ wurde mit selbstlernenden Algorithmen verfeinert, um die Effekte von mehr als 20 verschiedenen Einflussfaktoren auf den jeweiligen Verkaufspreis herauszufiltern. Neben den vielen Eigenschaften der Häuser und der sozioökonomischen Umgebung wurde auch die exakte Distanz zwischen den Windkraftanlagen und den betrachteten Einfamilienhäusern berücksichtigt.

Gebäude in Stadtrandlage, würden hingegen kaum an Wert verlieren. Am ohnehin optisch unruhigen Stadtrand werden die drehenden Rotoren eher als selbstverständlich hingenommen. Die städtische Bevölkerung sei an eine industrielle und dynamische Umgebung gewöhnt, während die Bewohner ländlicher Räume den Eindruck unberührter Natur und Ruhe verlieren, wenn Lärm, Rotation und Lichteffekte von Windkraftanlagen hinzukommen, so die Studie.

In den Niederlande ist das Problembewusstsein für die Verkehrswertminderung an Häusern durch nahe Windanlagen größer. Dort wird bereits ein finanzieller Ausgleich an die Hauseigner gezahlt, wenn der Verlust durch nahe Windanlagen mehr als zwei Prozent beträgt. Ebenfalls ist im Gespräch, Hauseigentümer für den Verlust an Wohnwert und Lebensqualität in ihrer, von Windrädern betroffenen Immobilie zu entschädigen.

Auch in Deutschland fordert man bereits, die Wertverluste der Immobilien nach dem Verursacherprinzip finanziell auszugleichen.

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